Anamnese:

  • Mai 1999: Vor Antritt einer Reise nach Afrika wurde Herr J. F. von der Kollegin Dr. med. Iris Günther, Praktische Ärztin in Magdeburg, medizinisch umfassend beraten. Eine Malaria-Prophylaxe wurde von dem Patienten abgelehnt. Das Risiko wurde ihm dargestellt, er nahm es bewusst in Kauf.
  • Am 6. Juni kehrte J. F. am Abend mit seiner Frau und zwei Kindern aus Kenia zurück.
  • Am 8. Juni fühlte er sich abgeschlagen, hatte Schweißausbrüche, die Körpertemp. stieg auf 38°C.
  • Am 11. Juni stellte er sich in der Praxis von Dr. Günther vor. Er war fieberfrei, hatte starke Kopf- und Gliederschmerzen, die "nur in Ruhe auszuhalten" waren, starke Schweißsekretion.
    Es wurden 2 Blutproben zur Untersuchung auf Malaria in unser Labor eingesandt, EDTA-Blut und Serum bzw. Vollblut ohne Zusatz.

Fragestellung:

Malaria ?

Labor:

- Schnelltest: positiv Plasmosium falciparum, Antigen-Nachweis
(Rida MalaQuick, R-Biopharm)
Das Ergebnis lag 30 Minuten nach Probeneingang vor.
Sofort telefonische Information der Ärztin.
 
- Mikroskopie:
   - Dicker Tropfen
   - Blutausstrich

negativ
negativ
klassische Standarduntersuchungen:
(zeitaufwendig, wenn negativ, Kontrollen notwendig)
(zeitaufwendig, wenn negativ, Kontrollen notwendig)
 
- Malaria-Antikörper negativ (Antikörperbildung erfolgt erst nach einem Zeitintervall)

Weiteres Vorgehen:

Die Hausärztin informierte den Patienten, um ihn zur stationären Behandlung einzuweisen.
Das Labor informierte sich zeitgleich, welche Klinik den Patienten aufnehmen kann.
Die Medizinische Klinik der Med. Fakultät Magdeburg stellte sofort ein Bett zur Verfügung und bereitete die Aufnahme des Patienten vor.

Verlauf:

Dem Patient ging es anfänglich sehr schlecht. Er musste vom 11.-18. Juni auf der ITS behandelt werden. Es trat unter anderem eine ausgeprägte Thrombozytopenie auf.
Die Ehefrau fieberte während der Besuchszeit im Krankenhaus am 12. Juni. Auch sie war an Malaria erkrankt. Sie wurde sofort im Krankenhaus einbehalten und spezifisch behandelt.
Die Kinder, 11 und 14 Jahre, blieben symptomlose und erkrankten nicht.

Schlussfolgerung:

  1. Malaria ist eine sehr ernste Erkrankung und kann in Stunden zum Tode führen.
  2. Diagnose: Malariaverdacht: Grippeähnliche Symptome wie Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf-, Gliederschmerzen, erhöhte Temperaturen. Aber auch atypisches, unregelmäßiges, wechselndes oder sogar fehlendes Fieber. Auftreten nach Aufenthalt in einem Malariagebiet wie Afrika, Naher und Mittlerer Osten, Süd- und Mittelamerika. Auch auf Flugplätzen kann man von einer "infektiösen" Mücke gestochen werden: "Flugplatzmalaria".
  3. Schnelles Handeln: Labordiagnostik: Abklärung der Malaria ohne Zeitverlust !!!!!
  4. Prophylaxe unbedingt wahrnehmen
  5. Therapie und Prophylaxe: Chlorochin, bei Resistenz: Proguanil, Mefloquin

Laborbefund des Patienten J.F.:

Laborbefund des Patienten J.F.

 

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