1. Strikte Hygiene. Bei der Probennahme ist auf die strikte Einhaltung der hygienischen Anforderungen zu achten.
  2. Keine Oberflächenabstriche. Über eine Oberfläche geführte Abstrichtupfer sind bei Verdacht auf Knochen- oder Gelenkinfektionen grundsätzlich als inadäquat anzusehen.
  3. Biopsien, Punktate. Essenziell ist die kulturelle Diagnostik von intraoperativ entnommenem Gewebe, ggf. von Implantatmaterial, bei klinischem Verdacht auf eine bakterielle Arthritis von Gelenkpunktat.
  4. Multiple Patientenproben. Es sollten möglichst aus regionär unterschiedlichen Abschnitten des infizierten Bereichs multiple Materialien gewonnen werden (möglichst 3, idealerweise 4 bis 5) im Rahmen des klinisch und operativ Möglichen.
  5. Große Probenmengen. So viel Flüssigkeit oder Gewebe wie möglich sollte zur mikrobiologischen Untersuchung eingesandt werden.
  6. Kurze Lagerungs- und Transportzeiten. Da Knochen- und Gelenkinfektionen von empfindlichen Erregern verursacht werden können, sind generell Lagerungs- und Transportzeiten von < 2 Stunden erforderlich.
  7. Blutkulturen bei Verdacht auf hämatogener Osteomyelitis.
  8. Keine Antibiotikatherapie vor Probennahme. Der Beginn der antimikrobiellen Therapie sollte – sofern klinisch vertretbar – bis zur Gewinnung adäquaten Untersuchungsmaterials verschoben werden. Falls eine Antibiotikatherapie bereits eingeleitet wurde, sollte möglichst eine 10- bis 14-tägige Therapiepause vor erneuter Probengewinnung erfolgen.
  9. Wiederholung der Diagnostik. Bei erfolgloser oder zweifelhafter Diagnostik und Therapie wird eine Wiederholung der Probenentnahme angeraten.
     

Weiteres zur Präanalytik

  • Die richtige Auswahl des Entnahmezeitpunkt-bzw.-stelle ist kritisch und sollte – zusammen mit einem raschen Probentransport und der Verarbeitung – interdisziplinär und fachärztlich koordiniert werden.
  • Der Transport von Gewebe kann unter diesen Bedingungen in einem einfachen sterilen Probenröhrchen erfolgen; ein Austrocknen ist unbedingt zu vermeiden.
  • Abstrichuntersuchungen von Fistelgangsekret oder anderen nicht primär sterilen Materialien können die Untersuchung von Biopsiematerial ergänzen, jedoch im Regelfall nicht ersetzen.
  • Gelenkaspirat, Gelenkkapselmaterial und Synovialis sind adäquate Materialien bei V.a. bakterielle Arthritis.
  • Bei periprothetischen Infektionen ist die Untersuchung von Gelenkpunktat ebenfalls von hoher Aussagekraft. Darüber hinaus sollte bei operativer Revision einer periprothetischen Infektion Implantatmaterial (Knochenzement, Implantat) unbedingt kulturell untersucht werden, wobei die Art und Durchführung mit dem Mikrobiologen abgestimmt werden sollte.
     
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