Ziel/Indikation:

  • V.a. Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom) 
  • V.a. G-Zell-Hyperplasie
  • Differenzierung der Ursachen einer Hypergastrinämie (bei pH < 2 + erhöhtes Nüchterngastrin 100 - 1000 ng/l)
  • Postoperative Kontrolle nach Entfernung des Gastrinoms

Kontraindikation:

 akute Pankreatitis

  • akuter Schub einer chronischen Pankreatitis (bis mindestens 2 Wochen nach Abklingen der Symptome)
  • florides Ulkus

Prinzip:

Die Gabe von Sekretin führt zu einer Hemmung der Säureproduktion im Magen mit begleitender Stimulation der Bicarbonat-Produktion. Daraufhin steigt als Gegenregulationsmechanismus die Gastrinkonzentration an. Bei Vorliegen eines Gastrinoms kommt es nach Sekretingabe zu einer überschießenden Steigerung der Gastrinkonzentration im Serum.

Vorbereitung:

  • PPI mindestens 10 - 14 Tage vor dem Test absetzen. Ranitidin zur Überbrückung bei 48 Stunden vor Testbeginn möglich. 24 Stunden vor dem Test
  • Absetzen von Antazida, Anticholinergika, H2-Rezeptor-Antagonisten bzw. allen säuresuppressiven und motilitätsbeeinflussenden Medikamenten
  • Der Patient sollte vor Testbeginn mindestens 12 Stunden nüchtern sein
  • Legen eines venösen Zugangs
  • Eis zur Kühlung der Proben bereitlegen! Einfrieren der Proben bei -20°C!

Bitte dem Labor rechtzeitig Bescheid geben, damit die Probenlogistik organisiert werden kann!

Durchführung:

  • Abnahme der basalen Proben (t = -15 min und t = 0 min)

      o     2x Serum (Gastrin)

  • Gabe von 2 IE Sekretin / kg KG i.v. als Bolus innerhalb von 30 Sekunden
  • weitere Blutentnahmen nach 2, 5, 10, 15 und 30 Minuten

      o    jeweils 1x Serum (Gastrin)

Cave: Proben innerhalb von 30 Minuten zentrifugieren und Serum einfrieren! Gefroren transportieren!

Ergebnisse und Interpretation:

Gastrinanstieg in 10 Minuten auf > 200 ng/l oder > 100%   à    Hinweis auf Gastrinom

Cave: 10% falsch negative Ergebnisse

 

Gastrinanstieg um > 120 ng/l  à Hinweis auf Gastrinom

postoperativ kein Gastrinanstieg mehr    à   vollständige Entfernung des Gastrinoms

minimaler Gastrinanstieg     à   kein Hinweis auf Gastrinom, antrale G-Zell Überfunktion möglich

Zusätzlich kann je nach Erkrankungsverdacht die Bestimmung von Tumormarkern sinnvoll sein
(alle Neuroendokrinen Tumore: Chromogranin A, Ausschluss eines MEN Typ 1: Calcium, Prolaktin).

Nach der AMWF S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore kann die Diagnose eines Gastrinoms auch durch den Nachweis von erhöhten Nüchterngastrinspiegeln (> 1000 ng/l) im Serum bei gleichzeitigem Nachweis einer verstärkten Magensäuresekretion (Magensaft pH < 2) gestellt werden. Ist der pH-Wert im Magen kleiner 2, aber der Nüchterngastrinwert nur grenzwertig erhöht (200 - 1000 ng/l), so soll zur weiteren Differentialdiagnostik der Sekretin-Test durchgeführt werden. Ein Nüchternserumspiegel von

Gastrin < 100 ng/l schließt ein Gastrinom aus.

Literatur:

Lehnert, Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokr., Diab. und Stoffw. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015
Partsch et al, Endokrinologische Funktionsdiagnostik, Schmidt & Klauning, 7. Auflage, 2011
AWMF S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore, AWMF Register-Nr. 021-26, 2017
Auernhammer et al, Funktionsdiagnostik in der Endokrinologie, Internist 2018; 59: 38 - 47