Ziel/Indikation:

  •  V.a. STH (GH)-Mangel (Wachstumshormonmangel) als Test der zweiten Wahl bei Kontraindikation für IHT
  • Anwendung beim Erwachsenen und bei Kindern möglich.

Prinzip:

Durch die Glukagon-Gabe wird die Noradrenalinsekretion stimuliert. Daraufhin wird vermehrt STH aus dem Hypophysenvorderlappen freigesetzt. Bleibt nach Glukagon-Gabe ein STH-Anstieg aus, kann ein STH-Mangel angenommen werden. Zusätzlich stimuliert Glukagon die Cortisolfreisetzung aus der Nebennierenrinde.

Vorbereitung:

  •  Der Patient sollte nüchtern bleiben.
  • Legen eines venösen Zugangs.
  • Aufklärung des Patienten über Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, im Einzelfall: prolongierte Hypoglykämien)

Kontraindikation:

  • Phäochromozytom
  • Insulinom

Durchführung:

Röhrchen gut beschriften, gekühlt lagern und gekühlt transportieren!

  • Abnahme der basalen Proben

o    1 x Serum (STH)

  • Gabe von 1 mg Glukagon s.c. oder i.m.

                   o    > 90 Kg 1,5 mg Glukagon

  • weitere Blutentnahmen nach 90, 120, 150 und 180 Min

o    4 x Serum (STH)

Ergebnisse und Interpretation:

STH-Anstieg nach 150-180 Min auf ≥ 3 ng/ml à Ausschluss eines STH-Mangels beim Erwachsenen (Sensitivität und Spezifität 100%!)  

Bei Kindern kann der Glukagon-Test auch zur Prüfung der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse eingesetzt werden, da Glukagon auch die Freisetzung von Cortisol aus der NNR stimuliert. Dabei ist diese Stimulation unabhängig von einem STH-Mangel. Aufgrund höherer STH-Anstiege bei Kindern unter 6 Jahren, kann es zu Diskrepanzen mit anderen Tests (IHT, Arginin-Infusionstest) kommen.

Literatur:

AWMF Leitlinie Diagnostik des Wachstumshormonmangels bei Kindern und Jugendlichen, Nr. 174/002, 2014
Partsch, Endokrinologische Funktionsdiagnostik, Schmidt & Klauning, 7. Auflage, 2011
Lehnert, Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokr., Diab. und Stoffw. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015