Ziel/Indikation:

  • Prüfung der thyreotropen Partialfunktion des Hypophaysenvorderlappens
  • Nachweis eines isolierten TSH-Mangel
  • Differenzierung zwischen sekundärer und tertiärer Hypothyreose
  • Differenzierung zwischen Schilddrüsenhormonresistenz und autonomer TSH-Sekretion (z.B.: Tumor)
  • Diagnosesicherung einer Hyperthyreose

Kontraindikation:

  • instabile Angina pectoris
  • Myokardinfarkt
  • schwere COPD
  • Bei bekannter Epilsepsie, Asthma bronchiale oder einem bekannten Hypophysenmakroadenom sollte die TRH-Gabe in Bezug auf den diagnostischen Nutzen kritisch hinterfragt werden, da die Gabe von TRH zu einer Verschlimmerung der Symptome bzw. zu einem Hypophysenapoplex (einige wenige beschriebene Fälle) führen kann.

Prinzip:

Im normalen Regelkreis der Schilddrüsenhormone führt die hypothalamische Ausschüttung von TRH

zu einer vermehrten Sekretion von TSH durch die Hypophyse, was wiederum zu einer erhöhten

Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen (T3 und T4) führt. Durch die Gabe von TRH wird dieser

Regelkreis angeregt.

Im Falle einer hypothalamischen Insuffizienz (ein TRH-Mangel) würde die Gabe von TRH zu einer vermehrten Sekretion von TSH führen (Reserve an TSH in der Hypophyse). Liegt der Erkrankung aber eine hypophysäre Insuffizienz (TSH-Mangel) zugrunde, so kommt es auch nach TRH-Gabe nicht zu einer Erhöhung der TSH-Sekretion.

Liegt eine primäre Hyperthyreose vor, so ist durch den negativen Rückkopplungsmechanismus die TRH- und TSH-Sekretion schon supprimiert und kann auch durch zusätzlich TRH-Gabe nicht weiter stimuliert werden.

Vorbereitung:

Die Interpretation sollte immer in Verbindung mit vorher gemessenen fT3/fT4-Spiegeln erfolgen.

Durchführung:

  • Abnahme der basalen Probe für TSH (+ falls unbekannt: fT3 und fT4) à1x Serum
  • Gabe von 200μg TRH (z.B.: Antepan) i.v.
  • bei Kindern 7 μg/kg KG oder 100 μg/m² KOF oder 1mg in jedes Nasenloch
  • weitere Blutentnahme nach 30, 60, 90 und 120 Minuten

Ergebnisse und Interpretation (in Zusammenhang mit vorher gemessenem fT3/fT4):

  • Anstieg < 2 mIU/l    àfehlende TSH-Antwort

          o fT3/fT4 erniedrigt        sekundäre Hypothyreose

          o fT3/fT4 normal            latente Hyperthyreose

          o fT3/fT4 erhöht             manifeste primäre Hyperthyreose, Thyroxintherapie

  • Anstieg 2 – 25 mIU/l    àregelrechte TSH-Antwort

          o Keine hypophysäre Störung des Regelkreises, Euthyreose

  • Anstieg > 25 mIU/l      àüberschießende TSH-Antwort

          o fT3/fT4 erniedrigt          manifeste primäre Hypothyreose

          o fT3/fT4 normal             latente Hypothyreose

          o fT3/fT4 erhöht              TSH-prod. Tumor, zentrale Schilddrüsenhormonresistenz

Im Falle einer Schilddrüsenhormonresistenz ist das TSH basal oft inadäquat erhöht und steigt nach TRH-Gabe noch weiter an.

Beachte: Der TRH-Test erlaubt keine sichere Beurteilung der thyreotropen Partialfunktion. Der TRH-Test ist vor allem zum Nachweis eines isolierten TSH-Mangels hilfreich. Aufgrund der Gefahr eines Hypophysenapoplexes sollte die Indikation für den TRH-Test streng gestellt werden.

Bei Kindern ist der intranasale oder orale TRH-Test unzuverlässig. Bei Verdacht auf eine sekundäre (hypophysäre) oder tertiäre (hypothalamische) Hypothyreose sind ebenfalls zusätzliche Blutentnahmen nach 60, 90 und 120 Minuten notwendig, da im Falle einer tertiären Hypothyreose das TSH-Maximum erst nach ca. 90-120 Minuten erreicht wird.

 

Literatur:

       Lothar Thomas, Labor und Diagnose, 8. Auflage, S. 1718-1752
Lehnert, Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokr., Diab. und Stoffw. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015
Partsch et al, Endokrinologische Funktionsdiagnostik, Schmidt & Klauning, 7. Auflage, 2        
Dtsch. med. Wschr. 104 (1979), 229-234