Ziel/Indikation:

  • Abklärung eines kompletten hypophysären STH-Mangels bei Erwachsenen (und Kindern)
  • Testung der maximalen Kapazität der hypophysären STH-Sekretion
  • Bei V.a. hypothalamischen Wachstumshormonmangel à Insulin-Hypoglykämie-Test

Prinzip:

Durch die Gabe von Arginin kommt es zu seiner Suppression der Somatostatin-Sekretion sowie zu einer Stimulation der STH-Sekretion (siehe Arginin-Infusionstest). Die STH-Sekretion wird durch die gleichzeitige Gabe von GHRH auf ein Maximum gesteigert. So kann die maximale STH-Sekretionsleistung der Hypophyse getestet werden. Im Falle eines hypophysären STH-Mangels würde man nach Gabe von Arginin und GHRH keine Erhöhung der STH-Werte im Serum feststellen

Vorbereitung:

  • Der Patient sollte ab dem Vorabend nüchtern bleiben.
  • Anlegen eines venösen Zugangs mindestens 30min. vor Testbeginn.
  • Der Test kann ambulant stattfinden und sollte zwischen 8.00 und 9.00 Uhr begonnen werden.
  • Der Patient sollte über die Möglichkeit einer kurzzeitigen Flush-Symptomatik bzw. Wärmegefühl aufgeklärt werden.

Durchführung:

Röhrchen gut beschriften, gekühlt lagern und gekühlt transportieren!

o Abnahme der basalen Proben 15min. vor und direkt vor (t=0) Beginn des Testes

  • 2x Serum (STH)

Gabe von Arginin/GHRH in Kombination

  •     GHRH: 1 μg/kg KG injizieren
  • Arginin: 0,5 g/kg KG (Standard 30g) L-Arginin-Hydrochlorid in 250ml NaCl als Kurzinfusion über 30min.

weitere Blutentnahmen nach 15, 30, 45, 60, 90 und 120min

  •     6x Serum (STH)

Ergebnisse und Interpretation:

Beachte: Bei Kindern besitzt der GHRH-Arginin-Test eine sehr geringe Aussagekraft und wird in der aktuellen AMWF-Leitlinie von 2014 nicht mehr für die Diagnostik des Wachstumshormonmangels bei Kindern empfohlen!

Die Cutoff-Werte für den maximalen STH-Anstieg bei Erwachsenen sind abhängig vom BMI!

BMI < 25 kg/m²             11 ng/ml

BMI 25-30 kg/m²           8 ng(ml

BMI > 30 kg/m²             4 ng/ml

Steigen nach Gabe von Arginin und GHRH die Werte des STH im Serum nicht über diese Cut-off Werte, so liegt ein hypophysären Wachstumshormonmangel vor.

Steigen nach Gabe von Arginin und GHRH die Werte auf 11 – 16,5 ng/ml an, so kann dies auf einen partiellen Wachstumshormonmangel hindeuten.

Steigen nach Gabe von Arginin und GHRH die Werte auf über 16 ng/ml an, so ist ein Wachstumshormonmangel eher unwahrscheinlich. Bei trotzdem bestehender Klinik spricht diese Konstellation eher für eine hypothalamische Störung.

Bei alten Menschen ist ein subnormaler Anstieg von STH im Arginin-GHRH-Test nicht beweisend für einen STH-Mangel.


Literatur:

AWMF Leitlinie Diagnostik des Wachstumshormonmangels bei Kindern und Jugendlichen, Nr. 174/002, 2014
Partsch, Endokrinologische Funktionsdiagnostik, Schmidt & Klauning, 7. Auflage, 2011
Lehnert, Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokr., Diab. und Stoffw. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015