Ziel/Indikation:

V.a. Cushing-Syndrom (alle klinischen Bilder des Hyperkortisolismus)

Prinzip:

Bei einem gesunden Menschen wird Cortisol in einer zirkadianen Rhythmik sezerniert wobei am Morgen hohe und in den späten Abendstunden die niedrigsten Werte des Cortisols im Serum gemessen werden. Liegt ein Hyperkortisolismus (= Cushing-Syndrom), egal welcher Ätiologie) zugrunde, ist diese zirkadiane Rhythmik aufgehoben und man misst stattdessen dauerhaft erhöhte Cortisolwerte im Serum.

Vorbereitung:

  • Blutentnahme so stressfrei (schmerzarm, in Ruhephase) wie möglich ausführen.
  • Liegender Patient.

Durchführung:

Röhrchen gut kennzeichnen, gekühlt lagern und gekühlt transportieren!

Generell sind 2 Testabläufe möglich:

  • Blutentnahmen um 8, 12, 18 und 24 Uhr (4x Serum)
  • Blutentnahmen um 8-10 und 16-18 Uhr (2x Serum)

Ergebnisse und Interpretation:

 Bei der normalen zirkadianen Rhythmik finden sich die niedrigsten Cortisolwerte im Serum in den späten Abendstunden. Nach den hohen Werten in den Morgenstunden sollte also über den Tag eine kontinuierliche Abnahme des Serum-Cortisolspiegels erfolgen. Sinken die Cortisol-Serumwerte über den Tag nicht ab oder liegt der Cortisol-Tiefstwert beim liegenden, ruhenden Patienten > 5 μg/dl, so muss eine weitere Diagnostik zur Erkennung eines Cushing-Syndroms erfolgen (z.B. Dexamethason-Hemmtest).

Referenzbereiche:

7 – 10 Uhr                    6,2 – 19,4 μg/dl

16 – 20 Uhr                   2,3 – 11,9 μg/dl

Beachte: Normale Cortisol-Werte schließen vor allem im Kindesalter einen Hyperkortisolismus nicht zu 100% aus!

Literatur:

AWMF Leitlinie Cushing-Syndrom 2010, Nr. 027/033, aktuell in Überarbeitung
Imöhl et al, Diagnose und Differentialdiagnose des Cushing-Syndroms, J Lab Med 2003; 27: 43-52·
Boscaro/Arnaldi, Approach to the patient with possible cushing´s syndrome, J Clin End Metab 2009; 94: 3121