Ziel/Indikation:

  • Überprüfung der kortikotropen Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
  • Differentialdiagnose des Cushing-Syndroms
  • V.a. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (HVL-Insuffizienz)
  • Follow-Up nach neurochirugischen Operationen
  • Überprüfung der kortikotropen Achse nach Langzeit-Glucocorticoid-Therapie

Prinzip:

Durch die Gabe von CRH wird die Sekretion von ACTH aus dem Hypophysenvorderlappen sowie die nachgeschaltete Sekretion von Cortisol aus der Zona fasciculata der Nebennierenrinde stimuliert. Steigt das ACTH nach CRH Gabe an, so handelt es sich bei bestehendem Hyperkortisolismus um ein ACTH-produzierendes Hypophysenvorderlappenadenom (M. Cushing). Kommt es zu keiner Änderung des erhöhten (oder hoch normalen) ACTHs spricht dies für eine ektope ACTH-produktion. Hier sollte eine Tumorsuche eingeleitet werden. Im Falle eines supprimierten ACTHs welches nach CRH Gabe nicht ansteigt handelt es sich meist um einen primären Hyperkortisolismus.

Vorbereitung:

  • Durchführung am späten Nachmittag (durch die geringeren Cortisolspiegel kann die Stimulation besser erfolgen).
  • Der Patient sollte nüchtern bleiben.
  • Anlage eines venösen Zugangs
  • Der Patient sollte über evtl. Nebenwirkungen wie Flush-Symptomatik, Geschmacksmissempfindungen, leichter Blutdruckabfall etc. informiert werden

Durchführung:

Nach Anlage des venösen Zugangs sollte der Patient noch etwa 30 Minuten ruhen.

1. Basale Proben entnehmen àProben kühl lagern und gekühlt transportieren (EDTA gefroren!)

   - 1x Serum: Cortisol

   - 1x EDTA: ACTH

2. Langsame Gabe von 100 μg CRH i.v.

Cave: bei Kindern Dosis von 1 μg/kg KG       
                                  

3. weitere Blutentnahmen nach 15, 30, 45, 60, 90 und 120 Min.

àinsgesamt also 6x Serum und 6x EDTA!

  - jeweils 1x Serum: Cortisol

  - jeweils 1x EDTA: ACTH

 

à Proben kühlen und gekühlt transportieren (EDTA gefroren!)

Ergebnisse und Interpretation:

In der Literatur variieren die Beurteilungskriterien mitunter erheblich. Wir beziehen uns auf die DGE-Richtlinien.

normales basale Cortisol und normales basale ACTH:

Anstieg des Cortisols um > 7,2 μg/dl (> 0,2 μmol/l)

Anstieg des ACTH um mind. 50% des Ausgangswertes            

ànormale Funktion der kortikotropen Achse

 

erhöhtes basales Cortisol + erhöhtes basales ACTH:

Deutliche Stimulierbarkeit des Cortisols

Anstieg des ACTH um mind. 35% des Ausgangswertes

àHypophysenadenom (M.Cushing)

 

erhöhtes basales Cortisol + erhöhtes basales ACTH:

kein Anstieg von ACTH (und Cortisol)

àektope ACTH-Produktion (Beachte: Tumorsuche!)

 

erhöhtes basales Cortisol + supprimiertes basales ACTH:

kein Anstieg von Cortisol und ACTH

àNNR-Adenom (prim. Hyperkortisolismus)


erniedrigtes basales Cortisol + nicht messbares basales ACTH:

kein Anstieg von Cortisol und ACTH

àHypophysenvorderlappeninsuffizienz

erniedrigtes basales Cortisol + erneidrigtes basales ACTH:

kein Anstieg von Cortisol + Anstieg von ACTH

àhypothalamische NNR-Insuffizienz



Literatur:

Lehnert, Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokr., Diab. und Stoffw. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015
UpToDate 2017, Corticotropin-releasing hormone stimulation test
Partsch, Endokrinologische Funktionsdiagnostik, Schmidt&Klauning, 7.Auflage, 2011